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Datum
20.07.2020

„Nachhaltige Investments sind ein Gewinner der Krise“

Interview mit Marcus Burkert, Geschäftsführer Investment Consulting bei FERI

Marcus Burkert, Geschäftsführer Investment Consulting bei FERI
(FERI)

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft schwer getroffen. Besteht nicht die Gefahr, dass Unternehmen ökologische und soziale Ziele jetzt erst einmal ganz hinten anstellen?

Diese Befürchtung teile ich nicht. Nachhaltigkeit ist kein zeitlich begrenztes Modethema, sondern eine Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Es zeigt sich ja gerade, dass Unternehmen, die langfristig denken, auch mit den Herausforderungen der aktuellen Krise besser fertig werden. Die Erfahrung des Lockdowns hat zudem bei vielen Menschen das Bewusstsein für Gesundheit und Umweltthemen geschärft. Die CoViD19-Pandemie hat nochmals deutlich gemacht, dass Wohlstand auf Dauer nur mit einer nachhaltigen Wirtschaft zu erreichen ist. Das ist eine wichtige Botschaft nicht nur für Konsumenten, sondern auch für Anleger.

Wie wurde das Thema Nachhaltigkeit denn in den vergangenen Monaten an den Börsen bewertet?

Wenn man sich die Entwicklung der Aktienmärkte in den USA und Europa anschaut, so erkennt man, dass sich nachhaltige Investments lohnen. Seit Jahresbeginn bis Anfang Juni dieses Jahres haben nachhaltige Aktienindizes wie der amerikanische MSCI USA NR SRI und der europäische MSCI Europe NR SRI besser abgeschnitten als die vergleichbaren nicht nachhaltigen Indizes. Auch über den Zeitraum von 5 Jahren betrachtet, liegen die genannten nachhaltigen Indizes vorne. Nachhaltige Investments bringen also nicht nur in der aktuellen Krisensituation, sondern generell mehr Rendite als herkömmliche Anlagen.

Was sind die Gründe für den Erfolg nachhaltig geführter Unternehmen?

Unternehmen, die Rücksicht auf Nachhaltigkeitskriterien nehmen, haben insgesamt mehr Übung im Management von Risiken. Sie sind auch innovationsfreudiger, weil sie den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft aus eigenem Antrieb aktiv mitgestalten. Ein ganz wesentlicher Punkt beim Thema Nachhaltigkeit ist die gute Unternehmensführung, auch Governance, genannt. Unternehmen, in denen die Menschen gern arbeiten, entwickeln sich ganz einfach besser. Das war schon immer so. Was passieren kann, wenn Unternehmen Defizite bei der Governance haben, das konnte man gerade wieder eindrucksvoll am Beispiel Wirecard erleben.

Was bedeutet diese Entwicklung für private Anleger?

In Deutschland sind laut Bundesverband der Deutschen Investmentindustrie im vergangenen Jahr insgesamt 40 Prozent der neu angelegten Mittel in nachhaltig investierende Fonds geflossen. Die Anleger springen also zunehmend auf den Trend auf. Der Markt hat sich darauf eingestellt und bietet eine große Bandbreite von Produkten an. Ab 2021 sind Anbieter und Berater außerdem dazu verpflichtet, bei ihren Kunden Nachhaltigkeitspräferenzen abzufragen und entsprechende Fonds zu klassifizieren. Auch das wird dem Thema noch einmal einen starken Impuls geben. Genau das ist ja auch vom Gesetzgeber so gewollt. Über nachhaltig ausgerichtete Investmentfonds, ob aktiv gemanagt oder als passiver Indexfonds, kann heute schon jeder nachhaltig investieren und an diesem Trend, der sicherlich auch in Zukunft anhalten wird, teilhaben.

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